Asylmärchen / fairy tales of asylum

Heute, am 4. September 2008, fand im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte eine sehr gut besuchte Veranstaltung statt, bei der es um Lebensverhältnisse von Flüchtlingen in Deutschland, im speziellen in Brandenburger Städten und Berlin, sowie verschiedene Ansätze sich für eine Verbesserung dieser einzusetzen, ging. Zum Anfang wurde ein 16 Minuten langer Film von 8 ImmigrantInnen aus Berlin/Brandenburg gezeigt, die sich u.a. in der Afrika Initiative, der Refugees Emancipation e.V. und der Flüchtlingsinitiative Brandenburg organisieren. Im Anschluss wurde die Diskussion durch Beiträge von einem Podium, besetzt mit dem Regisseur von "Asylmärchen", einem Mitarbeiter der Opferperspektive, einer Mitarbeiterin im psychologischen Hilfsdienst für Flüchtlinge, einem Mitglied der Refugees Emancipation und einem Mitarbeiter des Flüchtlingsrats Berlin, eingeleitet. Es folgte eine rege Diskussion über fast 2 Stunden, u.a. über folgende Themen:
- das Lagersystem in Deutschland, welches darauf abzielt, jenen Flüchtlingen, die nicht abgeschoben werden können, das Leben möglichst schwer und unattraktiv zu machen, um sie an gesellschaftlicher Teilhabe zu hindern oder gar zur "freiwilligen" Ausreise zu bewegen
- die Residenzpflicht (mit der wir am selben Abend noch Erfahrungen machen mussten), ein Gesetz, was es Flüchtlingen verbietet, sich weiter als 20km von ihrem Meldeort unerlaubt zu entfernen
- die Schwierigkeit dass Unterstützungsarbeit (Flüchtlingsberatungen z.B.) schnell auch paternalistisch werden kann und an den tatsächlichen Ansprüchen der Flüchtlinge - einer Kooperation auf Augenhöhe - vorbeigeht

hier noch die Beschreibung der Filmemacher:

„Asylmärchen“ thematisiert insbesondere über die Situation von Flüchtlingen in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Inkrafttreten des neuen Zuwanderungsgesetzes von 2005. Weiterhin schildert „Asylmärchen“ den Alltag von Flüchtlingen in den brandenburgischen Flüchtlingsheimen wie z.B. in Garzau (Märkisch-Oderland), Belzig (Potsdam-Mittelmark) und Cottbus (Spree-Neiße).
Die Bewohner berichten selbst über ihre Lebensbedingungen, wobei folgende Fragestellungen aufgegriffen werden:
Was bedeutet das Leben in einem isolierten Lager?
Welche Auswirkungen hat die Residenzpflicht, z.B. das Einkaufen mit Wertgutscheinen?
Wie sieht die gesundheitliche Versorgung aus?
Haben Flüchtlinge das Recht auf einen Sprachkurs bzw. Deutschkurs?
Haben Flüchtlinge das Recht auf eine Ausbildung bzw. Arbeit?
Welche Veränderung hat das neue Zuwanderungsgesetz gebracht?

Die Lebensbedingungen und die Rechtslage von Flüchtlingen sind in breiten Teilen der Bevölkerung Deutschlands kaum bekannt. Aufgrund dessen bestehen weit verbreitete Vorurteile, die der Film aufbrechen möchte. Er soll darüber hinaus zu mehr Zivilcourage und interkulturelle Verständigung im täglichen Leben beitragen.