Vom 03.09. bis 04.10. 2008 finden die Aktionswochen gegen rassistische Ausgrenzung und Abschiebung in Eisenhüttenstadt statt. Ein Büdnis der Antirassistischen Initiative, der Flüchtlingsinitiative Brandenburg, der linksjugend['solid], den Jungdemokrat_innen/Junge Linke Brandenburg und der Gruppe Progress aus Frankfurt/Oder ruft zur Teilnahme auf:
"Rassismus im Alltag: Tagtäglich werden Menschen in Deutschland aufgrund ihrer (vermeintlich) nicht-deutschen Herkunft benachteiligt, diskriminiert, beleidigt, verfolgt, bedroht und immer wieder sogar ermordet. Rassismus steht in Deutschland immer noch an der Tagesordnung. Das sind die komischen Blicke auf der Straße, willkürliche Personalienkontrollen durch die Polizei, die unfreundliche Behandlung an der Kasse oder sogar das groß gestikulierte „Nichts anfassen!“ im Supermarkt, das Menschen mit einem (unterstellten) nicht-deutschen Hintergrund oft erleben müssen – auch in Eisenhüttenstadt! Außerdem sorgt der strukturelle Rassismus in Deutschland dafür, dass nicht weiße Deutsche in einer benachteiligten Position sind. Besonders Flüchtlinge sind von der rassistischen Ausgrenzung durch die staatlichen Strukturen der deutschen Gesellschaft betroffen."
Termine:
9.9.08: Lichtenhagen, Mölln, Solingen, Eisenhüttenstadt???!
Infoabend über die Pogrome gegen Flüchtlingshäuser Anfang der Neunziger
18 Uhr, Gemeindezentrum, Eisenhüttenstadt
Anfang der Neunziger gab es überall in Deutschland rassistische Übergriffe und Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Die Vorfälle in Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen erregten weltweit öffentliches Interesse. Obwohl es in der überregionalen Presse keine große Beachtung fand, gab es auch in Eisenhüttenstadt Brandanschläge auf das Flüchtlingsheim. Im Sepember 1992 lieferten sich ca. 150 RechtsextremistInnen mehrere Tage Straßenschlachten mit der Polizei, nachdem sie die ZAst (Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber) belagerten und mit Steinen und Molotowcocktails bewarfen. An diesem Abend wollen wir gemeinsam versuchen die Ereignisse aufzuarbeiten, indem wir Zeitungsartikel lesen, diskutieren und uns im Gespräch mit Zeitzeug_innen ein Bild über die Rolle von Polizei, Feuerwehr, Schaulustigen und Gegendemonstrant_innen machen.
11.9.08: Filmabend Progress
Antirassistische Dokumenation über die Lebenverhältnisse von Flüchtlingen in Frankfurt/Oder und Eisenhüttenstadt
19 Uhr, Gemeindezentrum, Eisenhüttenstadt
Benedikt und Rachel sind Flüchtlinge aus Frankfurt/Oder und Eisenhüttenstadt, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die BRD kamen. Beide mussten feststellen, was es heißen kann, hier ein Flüchtling zu sein. Sie berichten von ihren Erfahrungen von den Behörden, von ihren Lebensbedingungen im Asylbewerberheim und von ihrem Alltag in den Städten.
13.9.08: Demonstration “Gegen Rassismus und Abschiebung! Für eine unbegrenzte Bewegungsfreiheit!”
Demostart um 14 Uhr am Bahnhof Eisenhüttenstadt
Weil es immer wieder zu willkürlichen Verhaftungen von Asylsuchenden kommt und es immer Zeit ist, gegen die Verhältnisse des Abschiebeknastes zu demonstrieren, wollen wir entschlossen und kämpferisch gegen die Abschiebehaftanstalt in Eisenhüttenstadt demonstrieren. Im Jahre 2000 war das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter (CPT) dort, um sich ein Bild über die Zustände zu machen und auch den Aussagen von dort inhaftierten Flüchtlingen nachzugehen, die über Folterungen berichteten. In der so genannten Beruhigungszelle gab und gibt es immer noch Fesselwerkzeuge und Fixierungsringe für Arm- und Beinknöchel, an denen Flüchtlinge mehrere Stunden gefesselt, bzw. fixiert werden. Das Land Brandenburg gab auf Anfrage offen zu, dass es solche Zustände dort gibt, zeigt sich aber nicht bereit sie zu ändern. Wir hoffen also auf zahlreiche Unterstützung, um gegen staatlichen Rassismus und Justizwillkür auf die Straße zu gehen.
16.9.08: Die Freiheit nehm' ich Dir - Über die Ungleichheit des Reisens
ein Audio-Feature der Naturfreundejugend Berlin
18 Uhr Kulturverein e.V. Denkmal am Wall, Eisenhüttenstadt
Auswander_innen, Tourist_innen, Migrant_innen. Reisen ist Traumverwirklichung für die einen, Exotik und Abenteuer für die nächsten. Für andere wiederum steht Reisen für das Ende, die Grenze, den Schluss. Für viele führt es sogar in den Tod. Bewegungsfreiheit gilt längst nicht für alle.
Das Audio-Feature der Naturfreundejugend Berlin setzt sich mit dem Privileg der Reisefreiheit auseinander. Es beschreibt, wie das Reisen für die einen ohne Probleme funktioniert und für die Anderen den puren Stress, Angst und totale Entrechtung bedeutet.
18.9.08: Filmabend “The truth lies in Rostock”
19 Uhr, Gemeindezentrum, Eisenhüttenstadt
August 1992, Rostock - Lichtenhagen. Die Polizei schaut zu, als Faschisten die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) und ein Wohnheim von vietnamesischen Vertragsarbeitern mit Molotowcocktails bombardieren. Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit Anti-FaschistInnen, den vietnamesischen Vertragsarbeiter_innen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und Anwohnern. Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der Politik und über die verbreitete Angst.
23.9.08: An den Grenzen Europas
Bericht über die Reise nach Süditalien von der Naturfreundejugend Berlin
18 Uhr Kulturverein e.V. Denkmal am Wall, Eisenhüttenstadt
Die Grenzen der EU verändern sich stetig und die europäische Flüchtlingspolitik wird immer mehr verschärft. Im Rahmen einer Interviewreise des NFJ-Arbeitskreises NoFortressEurope im April 2008 wurden Eindrücke und Stimmen zur Situation Migrierender in Süditalien gesammelt. In Palermo und auf Lampedusa hatte die Reisegruppe Kontakt mit offiziellen Vertreter_innen von Gewerkschaften, NGOs, UNHCR, IOM und der Küstenwache. Und sie sprachen zudem mit Aktivist_innen, die sich antirassistisch engagieren. Etliche Photos vom alten und neuen Abschiebezentrum auf Lampedusa konnten gemacht werden. Durch diese Reise ist ein genaues Bild über die aktuelle Flüchtlingspolitik Europas entstanden, die sie gemeinsam mit uns diskutieren wollen.
24.9.08: Filmabend „Children of Men“
19 Uhr, Gemeindezentrum, Eisenhüttenstadt
2027, seit 18 Jahren ist kein einziges Baby mehr zur Welt gekommen. Ein unbekanntes Phänomen hat alle Frauen unfruchtbar gemacht, und die Menschheit altert unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen. Wie die anderen reichen Nationen ist England längst zum Auffangbecken geworden und es beherrschen Chaos, Gewalt und Nationalismus den Alltag. Inmitten dieses Abgrunds ist es an einer Handvoll Menschen, der Menschheit ihre letzte Chance zu geben. Der desillusionierte Regierungsagent und ehemalige Aktivist Theo und seine Exfrau Julia werden zur Eskorte einer wie durch ein Wunder schwangeren Frau und geleiten sie auf ihrem gefährlichen Weg zu einem Zufluchtsort auf hoher See.
27.9.08: Spiel, Spaß und Spannung
Antirassistisches Sportfest
13 Uhr in der Turnhalle Fürstenberg, Eisenhüttenstadt
Weil Sport eine gute Möglichkeit sein kann, sich kennenzulernen, Spaß zu haben und sich auszutoben, wollen wir bei guter Musik gemeinsam Fußball, Basketball und Volleyball spielen. Rumgemackere und Konkurrenzgehabe sind absolut unerwünscht. Wir wollen einfach nur eine tolle Zeit haben, ohne Rassismus, Sexismus, Homophobie und Antisemitismus!
Also Turnschuhe geschnürt, Schweißbänder eingepackt und auf geht’s!
4.10.08: Rassistische Vorurteile wegfeiern!
Ort wird in Kürze bekannt gegeben
Hoffest 16 Uhr, Konzert 19:30 Uhr, danach Disko
Um ein gelungenen Abschluss unserer antirassistischen Aktionswochen zu feiern, veranstalten wir ein Hoffest. Wir wollen grillen, nette Musik hören und es wird verschiedene Infotische geben. Ab 19:30 Uhr treten „Conexion Musical“ und "Cba" (Hip Hop aus Berlin) auf und im Anschluss gibt es tanzbare Musik aus der Konserve.
Örtlichkeiten:
Kulturverein e.V. Denkmal am Wall
Wallstraße 14
15890 Eisenhüttenstadt
Evangelische Friedenskirchgemeinde
Robert-Koch-Straße 37
15890 Eisenhüttenstadt
Turnhalle Fürstenberg
Sportanlagen Waldstraße
Waldstraße 1
15890 Eisenhüttenstadt